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Wir trauern um Stiftungsgründer und fest verbundenem Begleiter Sankt Afras.
Tief betroffen und mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Claas Kleyboldt, einem außergewöhnlichen Menschen, dessen Leben von Verantwortung, Weitblick und tiefer Menschlichkeit geprägt war. Er war der Inbegriff eines Stifters: einer, der nicht nur gegeben, sondern getragen, begleitet und ermutigt hat.
1937 in Höxter an der Weser geboren, wuchs Claas Kleyboldt als eines von fünf Kindern auf. Früh zeigte sich seine Begeisterung für Bildung und Gemeinschaft – nicht zuletzt in seiner Zeit als Internatsschüler in Holzminden, die ihn nachhaltig prägte. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre studierte er Jura, wurde zugelassener Rechtsanwalt, entschied sich jedoch bewusst gegen die Ausübung dieses Berufs. Stattdessen führte ihn sein Weg in die Wirtschaft, wo er Verantwortung übernahm und Maßstäbe setzte.
Seine berufliche Laufbahn war beeindruckend: von leitenden Positionen im Familienunternehmen über Stationen bei der Allianz bis hin zu seiner prägenden Rolle im Vorstand der Colonia Versicherungsgruppe und später als Vorstandsvorsitzender der Nordstern Versicherung. Auch in Zeiten tiefgreifender Umbrüche – bis zur Eingliederung in die AXA-Gruppe – blieb Claas Kleyboldt eine verlässliche, integre und führungsstarke Persönlichkeit. Über viele Jahre hinweg gestaltete er als Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender und später Ehrenvorsitzender die Geschicke der deutschen Gesellschaften mit ruhiger Hand und klarem Kompass.
Doch so groß seine beruflichen Leistungen auch waren, sie standen für ihn nie über dem Gemeinwohl. Trotz fordernder Aufgaben engagierte er sich unermüdlich für Hochschulen, insbesondere für die Universität Witten/Herdecke, für Museen, Konzertförderkreise und das Kuratorium Bayreuth. Bildung, Kultur und gesellschaftliche Verantwortung waren für ihn keine Schlagworte, sondern Herzensanliegen.
Eine tiefe Zäsur in seinem Leben war der tragische Unfalltod seines Sohnes Mathias im Januar 1999. Aus diesem unermesslichen Verlust heraus erwuchs etwas Bleibendes: Gemeinsam mit seiner ersten Frau Ilse gründete Claas Kleyboldt die Mathias Kleyboldt Stiftung. Sie ist Ausdruck von Trauer, Liebe und Hoffnung zugleich. Ihr Ziel war und ist es, die Erinnerung an ihren hochbegabten Sohn lebendig zu halten – vor allem aber, andere hochbegabte junge Menschen zu fördern, ihnen Vertrauen zu schenken und ihnen Räume zur Entfaltung zu eröffnen.

Claas Kleyboldt glaubte zutiefst an das Potenzial junger Menschen. Hochbegabung verstand er nicht als Privileg, sondern als Verantwortung. In Sankt Afra fand er den Ort, an dem diese Überzeugung Gestalt annahm: eine Schule, in der Jungen und Mädchen zu Persönlichkeiten heranwachsen können, die mit Intelligenz, Kreativität, sozialer Kompetenz und Einsatzbereitschaft einen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Der persönliche Kontakt zu den Stipendiatinnen und Stipendiaten lag ihm besonders am Herzen – die gemeinsamen Abendessen, Gespräche, Besuche in der Semperoper und die familiäre Atmosphäre der Stiftung waren Ausdruck seines echten Interesses am Menschen.

Was Claas Kleyboldt auszeichnete, war seine leise Größe. Er stellte nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern das Potenzial anderer. Er hörte zu, ermutigte, stellte Fragen und gab Halt. Für viele junge Menschen wurde er zu einem Wegbegleiter, für Kolleginnen und Kollegen zu einem Vorbild, für Freunde und Familie zu einem Menschen von tiefer Loyalität und Wärme.
Mit seinem Tod verlieren wir einen Stifter im wahrsten Sinne des Wortes: einen, der Werte gestiftet hat, Vertrauen, Bildungschancen und Hoffnung. Sein Wirken lebt fort – in der Mathias Kleyboldt Stiftung, in den Lebenswegen der Geförderten und in den Herzen all jener, die ihm begegneten.
In diesen schweren Stunden sind wir in Gedanken bei seiner Frau Karen Kleyboldt. Unser herzliches Beileid und tiefstes Mitgefühl gelten ihr und der ganzen Familie.
Claas Kleyboldt hinterlässt eine große Lücke. Doch er hinterlässt auch ein Vermächtnis, das weiterträgt. In Dankbarkeit und tiefer Verbundenheit nehmen wir Abschied.







